Preisverleihung im Plenarsaal des Maximilianeums in München: Preisträger Vladimír Špidla (Mitte) zusammen mit den beiden Bundesvorsitzenden Helena Päßler (li) und Christa Naaß (2.v.li.) sowie dem vertriebenenpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Volkmar Halbleib, MdL (2.v.re.) und dem Laudator Franz Maget MdL a.D. (re.)
Ein starkes Zeichen der Verständigung!
Sudetendeutsche Sozialdemokraten zeichnen tschechischen Ministerpräsidenten aus
Mit dem Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreis zeichnete die Seliger-Gemeinde, die Nachfolgeorganisation der sudetendeutschen Sozialdemokratie, am 26. Oktober 2024 den ehemaligen tschechischen Premierminister Dr. Vladimír Špidla anlässlich des mittlerweile 16. Vertriebenenempfangs der SPD-Landtagsfraktion im Maximilianeum in München aus. Den Preis, der nach dem großen sudetendeutschen Sozialdemokraten und späteren SPD-Bundestagsabgeordneten Wenzel Jaksch benannt ist, wurde von den beiden Vorsitzenden der Seliger-Gemeinde, Christa Naaß und Helena Päßler, überreicht. Gleichzeitig vergab auch die SPD-Landtagsfraktion, vertreten durch ihren vertriebenenpolitischen Sprecher Volkmar Halbleib, MdL, die Brückenbauer-Preise – neben Vladimír Špidla erhielten diese Dr. Eva Habel, Claudia Kucharsky und Katrin Weber für außergewöhnliche Projekte und ihr persönliches Engagement.
In der bewegenden und tiefgründigen Laudatio würdigte der langjährige SPD-Fraktionsvorsitzende Franz Maget den Preisträger Vladimír Špidla als die entscheidende Persönlichkeit, die Tschechien in die Europäische Union geführt habe. Nach seiner Zeit als tschechischer Regierungschef war Špidla EU-Kommissar für Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit. Franz Maget erzählte eindrucksvoll aus dem Lebenslauf des Preisträgers und erinnerte an das Referendum, das erste in der Geschichte der Tschechoslowakei, in dem die tschechische Bevölkerung mit 77 Prozent sehr deutlich für den Beitritt zur EU gestimmt hatte. Špidla zementierte so den EU-Beitritt als unumkehrbar. Der Laudator erinnerte auch an die ersten Schritte der Entspannung. So waren es die bayerischen Sozialdemokraten, die Kontakt zur tschechischen Sozialdemokratie aufnahmen, deren Vorsitzender lange Jahre Vladimir Špidla war. Maget bezeichnete den Preisträger als „Mann der leisen Töne“. Maget nannte Špidla den „persönlichen Gegenentwurf“ zu Nationalismus und Populismus, der nie einen persönlichen Vorteil in seinen Ämtern gesucht habe, sondern stets grundanständig der Sache diente – so auch jetzt als Direktor der Demokratischen Masaryk- Akademie, einem verlässlichen Partner der Seliger-Gemeinde und im deutsch-tschechischen Dialog. Franz Maget endete mit der Feststellung, dass der Optimismus in der deutsch-tschechischen Verständigung einen Namen habe: Vladimír Špidla!
Der neugekürte Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreisträger bedankte sich mit dem Hinweis auf die hervorragende Persönlichkeit Wenzel Jakschs, „der sich niemals beugte“ und bezeichnete den Preis als Symbol des Zusammenlebens in Mitteleuropa. „Es brauchte Mut, Anstrengung und Liebe, um den Nationalismus zu überwinden“, erklärte Špidla. Versöhnung und Demokratie seien keine Selbstläufer, alles könne schnell ins Gegenteil kippen. Um die Verbesserungen zu erhalten und weiterzuentwickeln brauche es erneut Mut, Anstrengung und Liebe – und dafür stehe die Seliger-Gemeinde.
Špidlas damaliger Kollege Gunter Verheugen schrieb zur Preisverleihung: „Ich glaube, dass die Seliger-Gemeinde keinen würdigeren Preisträger hätte finden können.“ Und auch die Ehrenvorsitzende der Seliger-Gemeinde, die 104jährige Olga Sippl, ließ es sich nicht nehmen, an der Preisverleihung teilzunehmen. „Ich bin extra wegen Vladimír zu dieser Feier gekommen“, so Olga Sippl, die auch das letzte Wort in dieser eindrucksvollen Veranstaltung haben wollte: Sie dankte den Veranstaltern und verabschiedete sich mit einem kräftigen „Freundschaft“.