Karl Maier (1908-1997)
Karl Maier stammte aus Klostergrab bei Dux. Er wuchs in einer sudetendeutschen Arbeiterfamilie auf, in der sein Vater Bergmann war. Die meisten Familienmitglieder sympathisierten mit der Arbeiterbewegung, der sozialistischen und antinazistischen Politik. Sein Bruder Ernst war eine Ausnahme, er wurde Nazi und starb an der Ostfront.
Als junger Mann wollte Karl Facharbeiter für die Wartung von Maschinen werden, doch die prekäre Familiensituation zwang ihn, eine Ausbildung zum orthopädischen Schuhmacher zu machen. Als sein Vater aufgrund von Asthma seine Arbeit aufgeben musste, musste Karl von der Schuhmacherwerkstatt in die Bergwerkswerkstatt wechseln. Dies geschah, um die Wohnung der Familie zu retten, ein Haus, das der Bergbaugesellschaft gehörte und von ihren eigenen Mitarbeitern genutzt wurde.
In Klostergrab war Karl Maier Mitglied der Roten Wehr, der Schutzorganisation der Sozialdemokraten. Ab 1934 fungierte er als Verbindungsmann zu den illegal arbeitenden Sozialdemokraten Deutschlands. Zahllose Male ging er über die grüne Grenze, auf den nur echten Waldläufern vertrauten Stegen des Erzgebirges, belastet mit Botschaften, illegalen Zeitungen und Flugschriften. Er half auch Flüchtlingen, die aus Deutschland in die noch freie Tschechoslowakei flohen. Er, noch keine 19 Jahre alt, arbeitete so geschickt und vorsichtig, dass weder ihm noch seinen zahlreichen Verbindungsleuten in Sachsen je etwas passierte.
Nach dem Münchner Abkommen floh Karl Maier nach Prag. In Prag musste er als Landstreicher leben und in Parks, Hausfluren und am Bahnhof schlafen. Er erhielt etwas Hilfe von Freunden und der Bergarbeitergewerkschaft. Der unvergessliche Otto Pichl setzte sich für ihn ein: „Den müssen wir schnell ins Ausland bringen, der hat seinen Kopf riskiert“, erinnerte sich Ernst Paul später in einem Artikel im Sudeten-Jahrbuch. 1939 wurde er in einem versiegelten Eisenbahnwaggon aus dem Landgebracht und gelangte durch Deutschland ins polnische Gdynia. Von dort ging die Reise weiter durch Schweden nach Norwegen, wo er als Schuhmacher arbeitete. Durch sein einfaches und bescheidenes Wesen gewann er bald viele Freunde. Er verheirate sich mit einer Norwegerin.
Nach der Besetzung Norwegens durch deutsche Truppen am 9. April 1940 wurde er von der Gestapo verhaftet. Es kamen dann böse Wochen in den Kellern des Gestapo-Hauptquartiers in Oslo – und auf Grini, dem in der ganzen Welt berüchtigten Gestapo-Gefängnis. Sein Leidensweg führte ihn in weiter das Zuchthaus nach Dresden, wo ihm ein Prozess wegen Hoch- und Landesverrat gemacht wurde.
Karl Maier wurde zum Tode durch Enthauptung verurteilt. Eine Generalamnestie ermöglichte es ihm, am Leben zu bleiben. Er landete schließlich im KZ Sachsenhausen, das den größten Teil der inhaftierten Norweger „beherbergte“. Unter ihnen befanden sich viele führende Persönlichkeiten, so z.B. der jetzige Staatsminister Gerhardsen und Außenminister Halvard Lange, ein ehemaliger Widerstandskämpfer.
Unser Freund Karl erwies sich auch im KZ als ein gewandter Schuhmacher und als er dem Lagerleiter durch seine Geschicklichkeit ein paar orthopädische Schuhe herstellte, die dessen Erleichterung seines Fußleidens verschaffte, zeigte er sich für manchen Wunsch zugänglich. Karl benützte diesen Einfluss, um einen weitverzweigten Rettungsdienst für seine Mitgefangenen zu organisieren. Ihm wird zugerechnet, dass die Norweger im Lager in einer gemeinsamen „Norwegerbaracke“ untergebracht wurden. Durch diese Selbstlose Hingabe hat er sich vor allem bei den Norwegern ein Denkmal gesetzt.
So kam es, dass der einfache sudetendeutsche Schuhmacher Karl Maier eine Reihe der führenden Persönlichkeiten Norwegens zu seinen Freunden zählte. Er ist natürlich Mitglied der norwegischen Landesgruppe der Seliger-Gemeinde geworden.
Karl Maier starb 1997 in Norwegen.
Für seine Hilfeleistungen während seiner Gefangenschaft wurde Maier 1959 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen.