
Diskussionsveranstaltung 1
Brünn als Zentrum demokratischen Exils nach 1934
Im Rahmen des Sudetendeutschen Tages 2026 lädt die Seliger-Gemeinde am 23. Mai von 14.30 bis 16.00 Uhr zu einer Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Brünn 34: ein kleiner Blick in die tschechisch-österreichische Demokratiegeschichte“ ein.
Die Veranstaltung widmet sich einem bedeutenden, oft wenig beachteten Kapitel europäischer Zeitgeschichte: den Folgen des Februaraufstands 1934 in Österreich und der Rolle Brünns als Zufluchtsort und Zentrum des demokratischen Widerstands. Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Sozialdemokratie durch das austrofaschistische Dollfuß-Regime wurden zahlreiche führende Vertreter zur Flucht gezwungen. In der damaligen Tschechoslowakei fanden sie Schutz – insbesondere in Brünn, wo sich eine Exilorganisation formierte, die den Kampf für ein freies und demokratisches Österreich fortsetzte.
Brünn entwickelte sich in dieser Zeit zu einem zentralen Knotenpunkt des Widerstands: Hier war das Auslandsbüro der österreichischen Sozialdemokratie angesiedelt, von dem aus politische Aktivitäten koordiniert wurden. Gleichzeitig fungierte die Stadt als wichtige Informationsdrehscheibe – unter anderem durch den Druck der verbotenen „Arbeiter-Zeitung“, die illegal nach Österreich geschmuggelt wurde.
Die Diskussion schlägt zugleich den Bogen zur langen demokratischen Tradition Brünns und beleuchtet dessen Bedeutung als Ort politischer Zuflucht, Vernetzung und Opposition gegen autoritäre Regime.
Diskussionsteilnehmer:
- Jan Budňák, Institut für tschechische Literatur der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik
Der Germanist und Literaturwissenschaftler forscht zu deutsch-tschechischen Kulturbeziehungen sowie zur Literatur der böhmischen Länder. Er ist Assistenzprofessor an der Masaryk-Universität in Brünn und seit 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie der Wissenschaften.
- Hannes Heide, Mitglied des Europäischen Parlaments (SPÖ)
Der österreichische Politiker gehört seit 2019 der Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten (S&D) an. Er ist unter anderem im Ausschuss für Kultur und Bildung sowie im Ausschuss für regionale Entwicklung tätig. Als kulturpolitischer Sprecher setzt er sich für die Förderung regionaler Kulturarbeit und die soziale Absicherung von Kulturschaffenden ein. Zudem wurde er im Mai 2026 zum Berichterstatter für die Europäischen Kulturhauptstädte gewählt.
Moderation:
Christa Naaß, Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde
Die Seliger-Gemeinde lädt alle Interessierten herzlich ein, an der Diskussion teilzunehmen und sich mit einem wichtigen Kapitel der gemeinsamen österreichisch-tschechischen Demokratiegeschichte auseinanderzusetzen.