Bedeutende Persönlichkeiten

Veröffentlicht am 13.07.2026 in Allgemein

Emil Werner (1913–1996)

Emil Werner wurde 1913 im Aussiger Vorort Lerchenfeld im damaligen Sudetenland geboren. Bereits in jungen Jahren schloss er sich der Sozialistischen Jugend an und engagierte sich später in der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP), der sozialdemokratischen Partei der deutschen Bevölkerung in der Tschechoslowakei. Die demokratischen und antifaschistischen Überzeugungen, die ihn früh prägten, bestimmten sein gesamtes weiteres Leben.

Mit der Besetzung der Tschechoslowakei durch das nationalsozialistische Deutschland geriet auch Werner unter den Einfluss des NS-Regimes. 1939 wurde er gegen seinen Willen zum Dienst in der Wehrmacht eingezogen. Das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete für ihn keinen unmittelbaren Neuanfang, sondern zunächst die Herausforderung, den verfolgten und vertriebenen sudetendeutschen Sozialdemokraten zu helfen. Er beteiligte sich an der sogenannten Aktion Ullmann, einer koordinierten Hilfs- und Aussiedlungsaktion, die zahlreichen sudetendeutschen Antifaschisten die Ausreise aus der Tschechoslowakei ermöglichte. Im Jahr 1946 gelangte auch Emil Werner selbst nach München.

In Bayern fand Werner rasch Anschluss an die Sozialdemokratie und wurde zu einer wichtigen Persönlichkeit beim politischen und organisatorischen Wiederaufbau der sudetendeutschen Sozialdemokraten. Sein besonderes Anliegen war es, den vertriebenen Sozialdemokraten eine gemeinsame organisatorische und publizistische Heimat zu geben. Bereits 1949 entstand die Zeitung Die Brücke, die bis heute das zentrale Organ der Seliger-Gemeinde ist. Emil Werner wurde ihr erster Chefredakteur und zugleich Gesellschafter des eigens gegründeten Brücke-Verlags. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Zeitung zum wichtigsten publizistischen Sprachrohr der sudetendeutschen Sozialdemokraten und trug wesentlich dazu bei, deren politische und historische Identität zu bewahren. Bis 1961 stand Werner an der Spitze der Redaktion.

Neben der Brücke engagierte sich Werner maßgeblich beim Aufbau des Sudeten-Jahrbuchs. Bereits die erste Ausgabe wurde von ihm zusammengestellt. Von 1952 bis 1964 redigierte er das Jahrbuch gemeinsam mit Roman Wirkner. Das Werk entwickelte sich zu einer wichtigen Dokumentation der Geschichte, Kultur und politischen Entwicklung der sudetendeutschen Sozialdemokratie. Erst als Werner 1965 die Leitung der Pressestelle der bayerischen SPD übernahm, gab er die redaktionelle Verantwortung ab.

Zu den bedeutendsten Leistungen Emil Werners zählt seine Mitwirkung bei der Gründung der Seliger-Gemeinde. Im Juni 1951 gehörte er zu ihren zentralen Gründungsmitgliedern. Die Seliger-Gemeinde verstand sich als Gesinnungsgemeinschaft der sudetendeutschen Sozialdemokraten und setzte sich für Demokratie, soziale Gerechtigkeit, europäische Verständigung und die Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte ein. Bereits im Mai 1952 gründete Werner die Münchner Ortsgruppe der Gemeinschaft und übernahm deren Co-Vorsitz. Über viele Jahrzehnte prägte er als Funktionär, Publizist und Organisator die Entwicklung der Seliger-Gemeinde entscheidend und arbeitete dabei eng mit führenden Persönlichkeiten wie Volkmar Gabert zusammen.

Auch innerhalb der bayerischen Sozialdemokratie übernahm Werner wichtige Aufgaben. Zunächst war er Pressereferent der SPD-Landtagsfraktion, später Leiter der Pressestelle der bayerischen SPD. Schließlich gehörte er selbst als Abgeordneter dem Bayerischen Landtag an. Seine journalistische Erfahrung und seine politische Überzeugung machten ihn zu einer wichtigen Stimme der bayerischen Sozialdemokratie.

Neben seiner journalistischen Tätigkeit widmete sich Werner intensiv der historischen Aufarbeitung des Widerstands sudetendeutscher Sozialdemokraten gegen den Nationalsozialismus. In mehreren Veröffentlichungen dokumentierte er deren Schicksale und ihren politischen Kampf. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt das Buch Wir wollten nicht mit den Massen irren, das den antifaschistischen Widerstand der sudetendeutschen Sozialdemokratie würdigt und bis heute als wichtiges Zeitzeugnis gilt.

Für seine Verdienste um die bayerische und sudetendeutsche Sozialdemokratie wurde Emil Werner mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt den Waldemar-von-Knoeringen-Preis sowie 1991 den Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreis, die höchste Auszeichnung der Seliger-Gemeinde.

Emil Werner starb 1996 in München.

 
 

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