
Wilhelm Hoegner bekommt keinen Platz in der Walhalla
Das ist natürlich nur konsequent.
Denn was hat Hoegner schon für Bayern geleistet? Er war lediglich Vater der Bayerischen Verfassung, Vordenker der wehrhaften Demokratie, Gegner der Nationalsozialisten und einer der Männer, die nach 1945 aus den Trümmern wieder einen demokratischen Freistaat aufgebaut haben.
Für einen Platz in der Walhalla reicht das offenbar nicht.
Vielleicht fehlte ihm einfach das nötige Talent für Parteispendenaffären, Amigo-Netzwerke und politische Selbstinszenierung. Verfassungen schreiben ist eben schön und gut – aber Denkmäler bekommt in Bayern offenbar eher, wer sich selbst schon zu Lebzeiten für eines hielt.
565 Bürgerinnen und Bürger haben die Petition unterstützt. SPD und Grüne stimmten dafür. CSU, Freie Wähler und AfD lehnten sie ab. Eine bemerkenswerte Allianz: Die einen erklären sich gerne zu Hütern des bayerischen Staates, die anderen zur letzten Rettung der Demokratie – und gemeinsam verweigern sie ausgerechnet einem ihrer bedeutendsten Baumeister die Anerkennung.
Besonders tröstlich ist, dass einer der letzten vorgesehenen Plätze bereits für Franz Josef Strauß reserviert ist. So bleibt die Gewichtung gewahrt: Der Mann, der Bayerns demokratische Verfassung schuf, muss draußen bleiben. Der Mann, der sie gelegentlich eher als unverbindliche Empfehlung betrachtete, darf hinein.
Wilhelm Hoegner schrieb 1949:
„Demokratie nur für Demokraten!“
Vielleicht liegt genau da das Problem.
Wilhelm Hoegner braucht die Walhalla nicht, um bedeutend zu sein. Aber die Walhalla bräuchte Wilhelm Hoegner, um glaubwürdig zu bleiben.