
Vorspann: Der Spanische Bürgerkrieg – Europas Krieg im Kleinen
Bereits 1873 war in Spanien erstmals eine Republik ausgerufen worden. Diese Erste Spanische Republik blieb jedoch politisch instabil und endete schon 1874 mit der Wiederherstellung der Monarchie. Die 1931 gegründete Republik ging daher als Zweite Spanische Republik in die Geschichte ein.
Ihre Entstehung war keine klassische Revolution, sondern die Folge eines politischen Zusammenbruchs der Monarchie nach Wahlen. Bei den Kommunalwahlen vom April 1931 erzielten republikanische und sozialistische Kräfte vor allem in den Städten große Erfolge. König Alfons XIII. verließ daraufhin das Land, und am 14. April 1931 wurde die Republik ausgerufen.
Die neue Verfassung schuf eine parlamentarische Demokratie und verband sich mit der Hoffnung auf eine grundlegende Modernisierung Spaniens. Reformen sollten das Bildungswesen, die Landwirtschaft und das Militär verändern, das Verhältnis zwischen Kirche und Staat neu ordnen und einzelnen Regionen mehr Selbstverwaltung ermöglichen. Für Sozialisten und andere demokratische Kräfte in Europa war die Republik deshalb ein bedeutender Versuch, politische Freiheit mit gesellschaftlichem Fortschritt zu verbinden.
Schon vor dem Bürgerkrieg verfolgte die DSAP die Entwicklung der Spanischen Republik aufmerksam. Spanien beschäftigte das akademische Umfeld der DSAP schon Jahre vor dem Bürgerkrieg. Im Juni 1933 brach die Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker zu einer „Spanienexpedition“ auf, die offenbar auch nach Nordafrika führte. Die Reise wurde später in mehreren Vorträgen ausgewertet. Damit war die junge Spanische Republik für die sudetendeutsche sozialistische Bildungsarbeit bereits vor 1936 ein Gegenstand eigener Anschauung – auch wenn über Teilnehmer, Route und Inhalte bisher nur wenige Einzelheiten bekannt sind.
Die Reformpolitik der Republik stieß jedoch auf erbitterten Widerstand konservativer Eliten, während Teile der Linken die Veränderungen für zu langsam und unzureichend hielten. Häufige Regierungswechsel, politische Gewalt und zunehmende Radikalisierung verschärften die gesellschaftlichen Gegensätze.
Im Februar 1936 gewann die linksgerichtete Volksfront die Parlamentswahlen. Am 17. und 18. Juli erhoben sich Teile des Militärs gegen die demokratisch gewählte Regierung. Der Putsch, an dem neben Francisco Franco weitere Generäle beteiligt waren, scheiterte zunächst in wichtigen Städten und Regionen. Spanien zerfiel in ein republikanisch kontrolliertes Gebiet und die von den Aufständischen beherrschten Landesteile. Aus dem Militärputsch entwickelte sich ein fast dreijähriger Bürgerkrieg.
Auf der Seite der Republik standen Republikaner, Sozialisten, Kommunisten, Anarchisten und regionale Autonomiebewegungen. Ihre Ziele reichten von der Verteidigung der parlamentarischen Demokratie bis zur sozialen Revolution. Diese Gegensätze belasteten den gemeinsamen Kampf. Dennoch verband die republikanischen Kräfte die Abwehr des Militärputsches und einer drohenden faschistischen Diktatur.
Der Krieg wurde rasch zu einem internationalen Konflikt. Hitlerdeutschland und Mussolinis Italien unterstützten Franco mit Waffen, Flugzeugen und eigenen Truppen. Die Sowjetunion lieferte der Republik militärisches Material, während Freiwillige aus zahlreichen Ländern in den Internationalen Brigaden und anderen republikanischen Einheiten kämpften. Großbritannien und Frankreich hielten an einer Politik der Nichteinmischung fest, die in der Praxis vor allem die rechtmäßige Regierung schwächte.
Für die DSAP war Spanien deshalb kein entfernter Bürgerkrieg, sondern eine europäische Auseinandersetzung zwischen Demokratie und Faschismus. Ihre Presse verfolgte die Ereignisse intensiv. Nach seiner Spanienreise im Frühjahr 1937 bezeichnete Ernst Paul den Krieg als einen „Weltkrieg im Kleinen“.
Nach schweren militärischen Niederlagen und der zunehmenden Überlegenheit Francos brach die Republik Anfang 1939 zusammen. Barcelona fiel im Januar, Madrid im März. Mit Francos Sieg begann eine Diktatur, die bis 1975 bestand. Für die sudetendeutschen Sozialdemokraten wurde Spanien zugleich zu einer Warnung vor der Bedrohung der eigenen tschechoslowakischen Republik.
Für Adolf Hitler war Spanien militärisches Versuchsfeld, politische Machtdemonstration und außenpolitisches Lehrstück zugleich. Die Legion Condor sammelte Kampferfahrung und erprobte moderne Luftkriegstechniken. Zugleich zeigten die Zurückhaltung der westlichen Demokratien und die enge Zusammenarbeit mit Mussolini, dass faschistische Aggression zunächst nur auf begrenzten Widerstand stieß. Der Spanische Bürgerkrieg wurde damit zu einer wichtigen Etappe auf dem Weg zum europäischen Krieg von 1939.