
Zwischen Solidarität und Staatsräson
Die DSAP gegen die tschechoslowakische Nichteinmischungspolitik
Die Unterstützung der Spanischen Republik stieß auch in der demokratischen Tschechoslowakei auf staatliche Grenzen. Während DSAP, Sozialistische Jugend und Hilfsorganisationen den Kampf gegen Franco als gemeinsame europäische Aufgabe verstanden, hielt die Regierung an der internationalen Nichteinmischungspolitik fest.
Formal sollte diese Politik beide Bürgerkriegsparteien gleich behandeln. Tatsächlich wirkte sie jedoch einseitig: Hitlerdeutschland und Italien unterstützten Franco weiterhin mit Waffen, Flugzeugen und Soldaten, während demokratische Staaten Freiwilligenreisen und Hilfsaktionen beschränkten. Für die DSAP war das keine echte Neutralität, sondern eine Politik, die die gewählte Republik benachteiligte.
Ab Februar 1937 sollten tschechoslowakische Grenz- und Sicherheitsbehörden verhindern, dass Freiwillige nach Spanien ausreisten oder das Land als Durchgangsstation nutzten. Pässe konnten eingezogen, Reisen nur bei einem nachgewiesenen unbedenklichen Zweck erlaubt werden. Diese Maßnahmen erklären, weshalb Männer wie Rudolf Hable heimlich und auf Umwegen nach Spanien gelangen mussten.
Auch zivile Hilfe geriet unter staatlichen Druck. In Prag beschlagnahmte die Polizei 28.000 Kronen und Medikamente, die für die Spanische Republik gesammelt worden waren. Als Begründung dienten fehlende behördliche Genehmigungen. Die sozialdemokratische Presse kritisierte, dass dadurch selbst humanitäre Hilfe verzögert und behindert wurde.
Der Widerstand der DSAP bestand nicht in einem offenen Bruch mit dem Staat. Die Partei verteidigte die demokratische Tschechoslowakei, hielt deren Spanienpolitik aber für kurzsichtig. In ihrer Presse verwies sie immer wieder darauf, dass die sogenannte Neutralität unter ungleichen Bedingungen stattfand: Die faschistischen Mächte intervenierten, während die Unterstützer der Republik kontrolliert und beschränkt wurden.
Dem setzte die DSAP eine eigene Solidaritätsarbeit entgegen. Der „Sozialdemokrat“ berichtete über Krieg und Bombardierungen, die Sozialistische Jugend verbreitete Broschüren und organisierte Hilfsaktionen, die Gesellschaft der Freunde des demokratischen Spaniens baute örtliche Gruppen auf. Wenn der Staat nicht handeln wollte, sollte wenigstens die demokratische Öffentlichkeit helfen.
Für die sudetendeutschen Sozialdemokraten war Spanien deshalb kein ferner Konflikt. Sie sahen darin eine Warnung für die eigene Zukunft. Die Regierung setzte auf Diplomatie und Zurückhaltung; die DSAP hielt dagegen, dass der Faschismus sich durch vermeintliche Neutralität nicht aufhalten lasse.
Fazit: Die Spanienhilfe der DSAP entstand nicht mit staatlicher Unterstützung, sondern musste sich vielfach gegen Ausreiseverbote, bürokratische Hürden und polizeiliche Eingriffe behaupten.