Sommerreise 2026 - Vor 90 Jahren: Spanischer Bürgerkrieg

Veröffentlicht am 24.08.2026 in Allgemein

Heinrich Weißbach – Spanien-Solidarität wird vor Ort organisiert

Die Unterstützung der Spanischen Republik beschränkte sich in der Tschechoslowakei nicht auf Zeitungsartikel, Resolutionen und Kundgebungen. Damit aus politischer Sympathie praktische Hilfe werden konnte, brauchte es Menschen, die vor Ort Organisationen zusammenführten, Versammlungen vorbereiteten und dauerhafte Strukturen schufen. Einer von ihnen war Heinrich Weißbach.

Weißbach wurde am 7. September 1910 in Komotau geboren. Über eine schulische oder berufliche Ausbildung liegen bislang keine genaueren Angaben vor; überliefert ist lediglich, dass er zunächst als Angestellter tätig war. Schon früh fand er jedoch in die sozialdemokratische Arbeiterkultur. Er gehörte den Kinderfreunden und dem Arbeiter-Turn- und Sportverband an und übernahm bald Verantwortung in der Sozialistischen Jugend. 1926 wurde er Vorsitzender der Jugendorganisation in Schreckenstein, 1928 Vorsitzender für den Kreis Aussig. Später stieg er zum stellvertretenden Vorsitzenden der Sozialistischen Jugend auf.

Sein politischer Weg führte ihn schließlich nach Warnsdorf. Dort arbeitete er als Bezirkssekretär der DSAP und leitete zugleich die Republikanische Wehr im Kreis. Weißbach gehörte damit zu jenen Funktionären, die Parteiarbeit, Jugendbewegung und den praktischen Schutz der demokratischen Republik miteinander verbanden.

Ein erhaltenes Schreiben vom 27. Juni 1938 zeigt ihn zudem als Organisator der Spanien-Solidarität. Im Auftrag des Zentralsekretariats der Gesellschaft der Freunde des demokratischen Spaniens in der ČSR wandte sich Weißbach an alle sozialistischen und demokratischen Organisationen des Warnsdorfer Gebietes. Für den 30. Juni lud er zu einer vorbereitenden Sitzung im Vereinshaus ein. Ziel war die Gründung einer eigenen Ortsgruppe der Spanienfreunde.

Das Dokument belegt, dass Weißbach keineswegs nur als privater Unterstützer handelte. Er war mit einer konkreten organisatorischen Aufgabe betraut und stellte die Verbindung zwischen der Zentrale der Gesellschaft und den örtlichen Parteien, Jugendorganisationen, Gewerkschaften und demokratischen Vereinigungen her. Jede angesprochene Organisation sollte ein oder zwei Vertreter zu der Beratung entsenden.

Gerade dieser überparteiliche Ansatz war für die Spanienhilfe von Bedeutung. Der Kampf der Republik gegen Franco wurde nicht allein als Angelegenheit einer Partei verstanden, sondern als gemeinsame Aufgabe aller demokratischen und antifaschistischen Kräfte. In einer Zeit, in der auch die Tschechoslowakei immer stärker durch Nationalsozialismus und Henleinbewegung bedroht wurde, erhielt die Solidarität mit Spanien eine unmittelbare politische Bedeutung.

Welche Aufgaben die geplante Ortsgruppe im Einzelnen übernahm, geht aus dem Schreiben nicht hervor. Andere Quellen zur Tätigkeit der Spanienfreunde nennen jedoch Vorträge, Filmveranstaltungen, Broschürenvertrieb, Sammlungen und humanitäre Hilfsaktionen. Die Warnsdorfer Initiative schuf dafür die organisatorische Grundlage.

Nach dem Münchner Abkommen musste Weißbach selbst fliehen. Ende Oktober 1938 gehörte er zu den ersten sudetendeutschen Flüchtlingen, die auf dem Luftweg nach Großbritannien gelangten. Seine Frau Hermine und die Tochter Inge folgten wenig später. Im April 1939 wanderte die Familie nach Kanada aus, zunächst nach Tupper in British Columbia, zog aber bald weiter nach Toronto.

In Kanada setzte Weißbach, nun meist Henry Weisbach genannt, sein politisches und gewerkschaftliches Engagement fort. Er arbeitete für die kanadische Gewerkschaftsbewegung und wurde Bildungsdirektor in Ontario. Später wechselte er zur Ontario Federation of Labour. Seine Aufgabe lag damit erneut an einer Schnittstelle von Organisation, politischer Bildung und gesellschaftlicher Mobilisierung.

Auch innerhalb der deutschsprachigen Einwanderergesellschaft spielte er eine wichtige Rolle. 1947 entstand unter seiner langjährigen Leitung der Sudetenclub „Forward“ in Toronto; zugleich wirkte er über viele Jahre an der deutschsprachigen Zeitschrift „Forward/Vorwärts“ mit. 1951 beteiligte er sich an der Gründung der Canadian German Alliance. Von 1967 bis 1974 stand er schließlich der Trans-Canada Alliance of German Canadians vor.

Heinrich Weißbachs Lebensweg verbindet damit mehrere Ebenen sozialdemokratischer Arbeit: Jugendorganisation und Parteiarbeit in der Tschechoslowakei, praktische Spanien-Solidarität in Warnsdorf, Flucht vor dem Nationalsozialismus und schließlich Gewerkschafts- und Bildungsarbeit in Kanada.

Sein Beispiel macht deutlich, wie internationale Solidarität praktisch wirksam wurde. Sie bestand nicht nur aus politischen Erklärungen, sondern aus Einladungen, Sitzungen, Absprachen und dem Aufbau dauerhafter Strukturen. Weißbach organisierte solche Strukturen zunächst für die Unterstützung der Spanischen Republik – und später erneut im kanadischen Exil.

 
 

Homepage Seliger Gemeinde

Verdiente Persönlichkeiten

Gertl Sattler

Horst Krumpholz

Unser Bundesverband

 

Unser Landesverband

Die BRÜCKE - unsere Mitgliederinformation

Downloads

Ortsverein

Filmmaterial !

WebSozis

Soziserver - Webhosting von Sozis für Sozis WebSozis

Besucherzähler

Besucher:2
Heute:212
Online:2