Sommerreise 2026 - Vor 90 Jahren: Spanischer Bürgerkrieg

Veröffentlicht am 15.09.2026 in Allgemein

Von Brünn nach Valencia

Julius Deutsch, Karl Kern und das sozialdemokratische Netzwerk in Spanien

Julius Deutsch gehört zu den wichtigsten Verbindungspersonen zwischen der österreichischen Sozialdemokratie im Exil, der demokratischen Tschechoslowakei und dem Kampf für die Spanische Republik.

Nach der Niederlage des österreichischen Schutzbundes im Februar 1934 floh Deutsch in die Tschechoslowakei. In Brünn wirkte er gemeinsam mit Otto Bauer am Aufbau des Auslandsbüros der österreichischen Sozialdemokraten mit. Die Stadt wurde damit zu einem Zentrum der österreichischen Arbeiterbewegung im Exil.

Dieses Brünner Netzwerk stand in engem räumlichen und politischen Zusammenhang mit der DSAP, der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei, und mit den internationalen sozialistischen Organisationen in Prag. Die Tschechoslowakei war in diesen Jahren ein wichtiger Treffpunkt österreichischer, deutscher, sudetendeutscher und tschechischer Sozialdemokraten.

1936 ging Julius Deutsch nach Spanien. Dort stellte er seine politische und militärische Erfahrung in den Dienst der Republik und war zeitweise in Valencia tätig. Auch von Spanien aus blieb er mit dem sozialdemokratischen Exilnetzwerk in Brünn verbunden.

Zugleich bemühte sich Deutsch, die verstreut eingesetzten deutschen und österreichischen Sozialdemokraten in Spanien miteinander in Kontakt zu bringen. Aus diesen Ansätzen entstand die „Grupo de Socialistas Alemanes y Austríacos Unidos en España“,die Gruppe vereinigter deutscher und österreichischer Sozialisten in Spanien.

Die „Grupo“ war keine militärische Einheit. Sie sollte vielmehr Sozialdemokraten zusammenführen, die in verschiedenen Verbänden der republikanischen Streitkräfte und der Internationalen Brigaden kämpften. In deren kommunistisch geprägten Strukturen wollten sie ihre eigene politische Identität und ihre Verbindung zur internationalen Sozialdemokratie bewahren.

Julius Deutsch wurde dabei zu einer wichtigen Bezugsperson. Er trat für den gemeinsamen Kampf gegen Franco, Hitler und Mussolini ein, ohne die Eigenständigkeit der sozialdemokratischen Bewegung aufzugeben.

In diesen Zusammenhang gehört auch seine Begegnung mit Karl Kern.

Kern, Funktionär der sudetendeutschen sozialistischen Jugend und Redakteur des Prager „Sozialdemokrat“, hielt sich im Sommer 1937 mit einer Delegation der Sozialistischen Jugendinternationale in Spanien auf. In Valencia traf er Julius Deutsch.

Damit begegneten sich zwei Vertreter desselben grenzüberschreitenden sozialdemokratischen Netzwerks: Deutsch, dessen Weg über das Brünner Exil nach Spanien geführt hatte, und Kern, der aus dem politischen Umfeld der DSAP und der internationalen sozialistischen Jugend kam.

Ob beide ausdrücklich über die „Grupo“ sprachen, ist bislang nicht nachgewiesen. Die Begegnung fand jedoch genau in jener Phase statt, in der Deutsch versuchte, die deutschsprachigen sozialdemokratischen Kräfte in Spanien politisch zu verbinden.

Sie zeigt, dass die Unterstützung der Spanischen Republik Teil eines größeren sozialdemokratischen Netzwerks war, das von Wien über Brünn und Prag bis nach Valencia reichte. Karl Kerns Kontakt zu Julius Deutsch stellt dabei eine unmittelbare Verbindung zwischen der sudetendeutschen Sozialdemokratie und diesem internationalen Zusammenhang her.

Die Geschichte der „Grupo“ erweitert damit den Blick auf den Spanischen Bürgerkrieg: Nicht nur Kommunisten, sondern auch Sozialdemokraten kämpften für die Republik – gemeinsam gegen den Faschismus, aber mit dem Anspruch, politisch eigenständig zu bleiben.

 
 

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