Herbstseminar 2026

Veröffentlicht am 04.11.2026 in Allgemein

Wenzel Jaksch im tschechischen Fernsehen: Der Schauspieler Hartmut Krug verkörpert den Vorsitzenden der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP) in der historischen Fernsehreihe „Das tschechische Jahrhundert“, Folge „Eine Kugel für Heydrich“. Die tschechische Einblendung bezeichnet Jaksch als ehemaligen Vorsitzenden der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. (Bild: Filmszene, © Česká televize (ČT))

 

„Eine Kugel für Heydrich“ – Wenzel Jaksch zwischen den Fronten der Exilpolitik

Einen besonderen Einblick in die tschechische Sicht auf die gemeinsame Geschichte bot der Filmabend beim Herbstseminar der Seliger-Gemeinde in Bad Alexandersbad. Dr. Thomas Oellermann und Dr. Filip Bláha präsentierten den tschechischen Fernsehfilm „Eine Kugel für Heydrich“ aus der historischen Reihe „Das tschechische Jahrhundert“ und ordneten ihn in die politischen Auseinandersetzungen des Zweiten Weltkriegs ein.

Anders als der Titel vermuten lässt, steht nicht das Attentat auf Reinhard Heydrich selbst im Mittelpunkt. Der Film führt vielmehr nach London, wo der frühere tschechoslowakische Präsident Edvard Beneš und seine Exilpolitiker um internationale Anerkennung und die Wiederherstellung der Tschechoslowakei kämpfen. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Leiter des tschechoslowakischen Nachrichtendienstes, František Moravec. Die Vorbereitung des Attentats wird zum Bestandteil weitreichender politischer und strategischer Entscheidungen.

Für die Seliger-Gemeinde ist besonders die Darstellung Wenzel Jakschs interessant, der im Londoner Exil die sudetendeutschen Sozialdemokraten vertrat. Jaksch und seine Mitstreiter hatten gegen den Nationalsozialismus gekämpft und mussten dennoch erleben, dass sich ihre Vorstellungen über die Zukunft der deutschen Bevölkerung in der Tschechoslowakei zunehmend von denen Benešs entfernten. Während Beneš auf die Wiederherstellung des Staates und eine grundlegende Neuordnung der Nationalitätenverhältnisse hinarbeitete, setzte sich Jaksch für eine demokratische Verständigung und die Rechte der deutschen Bevölkerung ein.

Besonderes Augenmerk richtete Filip Bláha auf die filmischen Gestaltungsmittel. Die politischen Gegensätze zwischen Beneš und Jaksch werden nicht nur in den Dialogen sichtbar, sondern auch durch Bildkomposition, Sprache und Beleuchtung. Der Film verdichtet dabei historische Gespräche und Konflikte zu einer dramatischen Erzählung. Gerade für die Seliger-Gemeinde eröffnet dies einen interessanten Zugang zur Geschichte ihres früheren Vorsitzenden.

Bereits 2017 hatte die Seliger-Gemeinde den Film beim Herbstseminar gezeigt. Damals war auch Hartmut Krug zu Gast, der Wenzel Jaksch im Film verkörpert.

 
 

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