Bundesversammlung 2026

Veröffentlicht am 20.10.2026 in Allgemein

75 Jahre Seliger-Gemeinde – Verantwortung für Geschichte und Zukunft

„Bundesversammlung in Bad Alexandersbad: Markus Rinderspacher mit lebendigem Festvortrag – Jörg Nürnberger zur aktuellen Politik – Resolution gegen Förderkürzungen und Beschlüsse zur Beitragsordnung“

Im Zeichen ihres 75-jährigen Bestehens stand die Bundesversammlung der Seliger-Gemeinde am 17. Oktober 2026 in Bad Alexandersbad. Neben dem Rückblick auf ein ereignisreiches Jubiläumsjahr beschäftigten sich die Mitglieder insbesondere mit der zukünftigen Finanzierung ihrer Arbeit und der Verantwortung für eine lebendige europäische Erinnerungskultur. Geleitet wurde die Versammlung von der Bundesvorsitzenden Christa Naaß und Helena Päßler.

Einen besonderen Höhepunkt bildete der Festvortrag von Markus Rinderspacher, Vizepräsident des Bayerischen Landtags. In einer ebenso kenntnisreichen wie lebendigen Rede spannte er einen weiten Bogen von der Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokratie bis zu den politischen Herausforderungen der Gegenwart. Immer wieder stellte er aktuelle Querverbindungen her und verdeutlichte, wie eng historische Erfahrungen mit heutigen gesellschaftlichen Entwicklungen verknüpft sind. Gerade diese Verbindung machte seinen Vortrag besonders kurzweilig und spannend.

Auch Jörg Nürnberger, deutscher Vorsitzender des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums, richtete ein Grußwort an die Bundesversammlung. Dabei stellte er die deutsch-tschechischen Beziehungen in den Zusammenhang der aktuellen politischen Entwicklungen. Sein Beitrag ergänzte den historischen Rückblick um die gegenwärtigen Herausforderungen für die europäische Zusammenarbeit und unterstrich die Bedeutung des kontinuierlichen Dialogs zwischen beiden Nachbarländern.

Mit David Macek stellte sich außerdem der neue Leiter des Sudetendeutschen Büros in Prag persönlich vor. Beide Beiträge machten deutlich, welchen Stellenwert die deutsch-tschechische Verständigung auch 75 Jahre nach der Gründung der Seliger-Gemeinde in ihrer Arbeit einnimmt.

Ein wichtiges politisches Signal setzte die Bundesversammlung mit der einstimmigen Verabschiedung der Resolution „Demokratiebildung und europäische Erinnerungskultur verlässlich fördern“. Darin fordert die Seliger-Gemeinde Bund und Länder auf, die Finanzierung historischer Bildungsarbeit, der Kulturarbeit nach § 96 Bundesvertriebenengesetz und grenzüberschreitender Verständigungsprojekte dauerhaft abzusichern. Angesichts nationalistischer und antidemokratischer Entwicklungen dürften gerade jene Einrichtungen nicht geschwächt werden, die demokratische Werte vermitteln und zur europäischen Verständigung beitragen.

Dabei geht es zunächst nicht um zusätzliche Fördermittel, sondern um die Rücknahme bereits erfolgter Kürzungen und die Sicherung des bisherigen Förderstandes. Konkret fordert die Resolution, die Bundesförderung ab 2027 mindestens auf dem nominalen Niveau von 2025 zu gewährleisten und durch mehrjährige Fördermöglichkeiten Planungssicherheit zu schaffen. Besondere Bedeutung kommt dabei der Jugendarbeit, der Digitalisierung historischer Quellen und grenzüberschreitenden Begegnungen zu.

Die finanziellen Herausforderungen spiegelten sich auch in den vereinsinternen Beratungen wider. Angesichts unsicherer öffentlicher Fördermöglichkeiten und allgemeiner Kostensteigerungen, insbesondere im Versand- und Verwaltungsbereich, beschloss die Bundesversammlung, den jährlichen Mitgliedsbeitrag von bisher 15 auf 25 Euro anzuheben. Der Beschluss erfolgte bei einer Enthaltung, alle übrigen Mitglieder stimmten zu.

In einem weiteren einstimmigen Beschluss wurde das Präsidium beauftragt, bis zur nächsten Bundesversammlung eine umfassende Beitragsordnung auszuarbeiten. Darin sollen die bislang in der Satzung nicht näher geregelten Fragen zur Beitragshöhe, zur Verteilung zwischen Bundesverband und Gliederungen sowie zu den Zahlungsmodalitäten verbindlich festgelegt werden. Zugleich sollen mögliche geldwerte Vorteile und wirtschaftliche Vergünstigungen für Mitglieder steuerrechtlich eindeutig abgegrenzt werden, um aufwendige Einzelfallprüfungen zu vermeiden.

Neben den Tätigkeits- und Kassenberichten standen die Ausstellungsprojekte für 2026 und 2027 sowie die Arbeit der Ernst-und-Gisela-Paul-Stiftung auf der Tagesordnung. Ein besonderer Blick galt dabei dem kommenden Jahr: Anlässlich des 80-jährigen Bestehens der Mitgliederzeitschrift Die Brücke beschloss die Bundesversammlung das Jahresmotto 2027 „80 Jahre Brücke(n) bauen“. Damit greift die Seliger-Gemeinde nicht nur die Geschichte ihrer traditionsreichen Publikation auf, sondern unterstreicht zugleich ihren Anspruch, Brücken zwischen Generationen, Menschen und Nationen zu bauen. Natürlich durfte auch die Ehrung der Jubilare nicht fehlen. Anwesende Geburtstagskinder, langjährige Mitglieder, Wenzel-Jaksch-Preisträger und Neumitglieder erhielten die traditionelle rote Nelke überreicht.

So verband die Bundesversammlung den Rückblick auf 75 Jahre wechselvolle Geschichte mit wichtigen Entscheidungen für die Zukunft. Der Festvortrag von Markus Rinderspacher, die politischen Beiträge der Gäste und die mit großer Einigkeit gefassten Beschlüsse zeigten, dass die Seliger-Gemeinde ihr historisches Erbe weiterhin aktiv in die gesellschaftliche und europäische Diskussion einbringen will. Mit dem Jahresmotto „80 Jahre Brücke(n) bauen“ ist zugleich die Richtung für 2027 vorgegeben: Erinnerung bewahren, Verständigung fördern und neue Verbindungen schaffen.

 
 

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