100 Jahre Arbeiterolympiade in Frankfurt am Main

Veröffentlicht am 24.07.2025 in Allgemein

 

Das Frankfurter Stadion im Stadtwald wurde am 21. Mai 1925 eröffnet und galt als die „schönste deutsche Sportanlage“. Das größte Ereignis im Eröffnungsjahr war die erste Internationale Arbeiterolympiade vom 24. bis 28. Juli 1925. Die Veranstaltung war antinational und antimilitaristisch ausgerichtet, wie es das Plakat zeigt: Waffen und eine Hakenkreuzfahne liegen zerstört auf dem Boden und auf der roten Fahne des darüber schreitenden Arbeitersportlers ist in Französisch der Anfang der ersten Strophe der Internationale zu lesen. 

 

Heute vor 100 Jahren, am Freitag, den 24. Juli 1925 wurde die Arbeiter-Olympiade feierlich eröffnet.

Im Vorfeld hatte Oberbürgermeister Ludwig Landmann die Bevölkerung aufgerufen, die Häuser zur Begrüßung der Sportler zu schmücken. Dieser Aufruf wurde nicht von allen Zeitungen abgedruckt. So weigerte sich die völkische „Frankfurter Post“, „weil unter dem Gewande einer sportlichen Angelegenheit antinationale Bestrebungen gefördert werden sollen.“ Trotz der vereinzelt kritischen Töne hatten viele Frankfurter ihre Häuser geschmückt, auch öffentliche Gebäude und die Straßenbahnen waren beflaggt. Im Laufe des Tages erreichten 40 Sonderzüge mit Teilnehmern der Olympiade den Hauptbahnhof. Unter den Klängen der Internationalen marschierten mittags 1.100 Wettkämpfer in das Stadion ein, das mit 25.000 Besuchern gut gefüllt war. Nationalfahnen und -hymnen wie bei den bürgerlichen Olympiaden des IOC gab es bei den Arbeitern nicht. Sie wurden ersetzt durch rote Banner und die "Internationale". 

Die rund 3000 aktiven Teilnehmer kamen aus elf Ländern, nämlich außer aus Deutschland noch aus Österreich, der Schweiz und der Tschechoslowakei (diese war sogar mit zwei Verbänden vertreten, nämlich dem tschechischen DJT(Prag) sowie dem sudetendeutschen ATUS(Aussig)), aus Polen, Lettland, Finnland, Belgien, Frankreich, England sowie aus Palästina und der Freien Stadt Danzig.

Eine weitere offizielle Eröffnung fand am Abend in der Festhalle statt, die bis auf den letzten Platz besetzt war. In seiner Eröffnungsrede betonte der ehemalige Frankfurter SPD-Reichstagsabgeordnete Hermann Wendel, dass „der Arbeitersport ein Werkzeug im Befreiungskampf der Arbeiterklasse“ sei. Mit Musik aus „Die Meistersinger“ sowie Freiübungen, Flach- und Reckturnen endete die feierliche Zeremonie

Nach der Begrüßungs-Zeremonie begannen die Vorkämpfe in der Leicht- und Schwerathletik, im Schwimmen sowie im olympischen Fußball-Turnier. Hier führt der Finne Halén beim 800-m-Vorlauf das Feld an.

Zur Arbeiter-Olympiade wurde in Frankfurt ein kulturelles Rahmenprogramm geboten, dass Ausstellungen, Wanderungen, Konzerte und Theatervorführungen beinhaltete. Das Stadion war Schauplatz eines „lebenden Schachspiels“ und Bühne für das Theaterstück „Kampf um die Erde“, dass 35.000 Zuschauer verfolgten. Zu den kulturellen Programm-Beiträgen gehörte auch eine Ausstellung. Dieses Medium zur Propagierung der Ziele des Arbeitersports und zur Aufklärung über verschiedene Aspekte von Hygiene gehörte 1925 bereits zu den Traditionen bei großen Arbeitersport-Festen.

Die Zuschauer der Arbeiter-Olympiade erlebten auch kuriose Wettkämpfe. Das Tauziehen gewann die deutsche Mannschaft, da kein Gegner anwesend war. Das 100Meter Langsamfahren mit dem Fahrrad wurde ebenfalls von Deutschland gewonnen, Valentin Stieber brauchte 14,22 Minuten. Im „Steinstoßen“ siegte der Finne Kotivalo, der den 15KiloStein satte 8,83 Meter wuchtete.

Höhepunkt: Tag der Massen

Am 26. Juli, dem "Tag der Massen", zogen fast 100.000 Menschen in einem beeindruckenden Demonstrationszug durch die Stadt und bis zum Stadion.

Durch Massenfreiübungen, Werbeveranstaltungen von Arbeitersport-Verbänden und dem großen Aufmarsch durch die Stadt nahmen letztlich insgesamt rund 100.000 Arbeitersportler an der 1. Arbeiter-Olympiade teil. Die Besucher aller fünf Tage erreichten die Gesamtzahl von etwa 450.000! 

Erfolgreiche ATUS-Sportler

Für die Sportlerinnen und Sportler des ATUS (Tschechoslowakei Aussig) gab es leider keine Medaillen. Da galt vor allem der Ansatz: “Dabeisein ist alles“: Die erfolgreichsten PSportlerinnen des ATUS waren Irma Prade und Lisi Nejetlo. Sie belegten in der Rangliste beimm Zwölfkampf der TFrauen den  4. (Irma Prade) und 7. (Lisi Nejetlo) Platz, wobei in den Einzelwettbewerben hervorragende Ergebnisse erzielt wurden. So glänzte Irma Prade AM REC  und AM BARREN mit Platz3 und AM PFERD mit Platz 4.hier erreichte Lisi Nejetlo den 5. Platz. In den Leichtathletik-Disziplinen spielte Lisi Nejetlo ihre Stärke aus: Weitsprung und Hochsprung jeweils Platz 2, Kugelstoßen Platz 3 und 100-Meter-Lauf Platz 4 (zusammen mit Irma Prade). Die besten Freiübungs-Turnerinnen des Acht- und Zwölfkampfes: Maria Svoboda (4. Platz). Die ATUS-Frauen belegten beim Achtkampf der Turnerinnen in der Mannschaftswertung den 4. Platz und bei der Kleinen Olympischen Staffel - (200 m, 50 m, 50 m, 100 m) Platz 5.

Der erfolgreichste Athlet des ATUS war Ernst Klier aus Rothau. Er wurde im Wettbewerb Kugelstoßen 4., beim Schleuderball 5. und im Diskuswerfen 6.

Bemerkenswert ist das Ergebnis des Fußballspiels der Arbeiter-Olympiade mit ATUS-Beteiligung: Tschechoslowakei (Aussig) – Frankreich 6:1 (2:1) – leider verlor man das nächste Spiel gegen Deutschland mit 1:6.

Und es ist wahr geworden: SPORTOPIA – 100 Jahre Arbeiter­olympiade: Tradition bewegt Zukunft

Der RKB und die Solijugend werden zusammen mit verschiedenen Partnern die erste Arbeiterolympiade von 1925 im Jahr 2025 wiederaufleben lassen! In der Tradition der historischen Arbeitersportbewegung wird diese Veranstaltung ein einzigartiges Zusammentreffen von Sport, Kultur und internationalem Austausch.

Vom 3.–5. Oktober 2025 werden wir anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der ersten Arbeiterolympiade ein Sport- und Kulturfest im Sportpark Alicestraße (Neu-Isenburg) durchführen, bei dem die Idee eines besseren Sports im Vordergrund stehen soll.

Gemeinsam mit unseren Mitgliedsvereinen und interessierten Partnern aus der Region werden wir eine Plattform zur Verfügung stellen, die Sport und Kultur sowie Geschichte und Gegenwart verbindet. Dabei sollen sich Sport-, Kultur- und Bildungsangebote abwechseln. Teil der Veranstaltung ist eine internationale Jugendbewegung vom 2.-8. Oktober.

 

s.auch: https://www.seliger-gemeinde-bayern.eu/meldungen/arbeiter-olympiade-in-frankfurt-1925/

 
 

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