
Freuten sich über eine gelungene Präsentation: v.l. Prof. Dr. Winfrid Halder, Direktor der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf, Kristina Larischová, Generalkonsulin der Tschechischen Republik, Helena Päßler, Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde, Reinhard Grätz, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf sowie Ausstellungsbetreuerin Erika Kalkofen-Frahne.
Demokratie braucht Demokraten
Midissage mit Vortrag & Gespräch im Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf
Am 7. April 2025 fand im Rahmen des Wenzel-Jaksch-Forums ein Vortrag mit anschließendem Gespräch zur Ausstellung »Böhmen liegt nicht am Meer« im Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf statt. Als besonderer Gast nahm die Schirmherrin der Ausstellung, die Generalkonsulin der Tschechischen Republik, Kristina Larischová, sowie die Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde, Helena Päßler, teil. Die vorgetragenen Einblicke in die Ausstellung und ihre Hintergründe zum Schicksal sudetendeutscher Sozialdemokraten wurden ergänzt durch eine rege Diskussion zu Fragen der Identität und Versöhnung sowie die Bedeutung demokratischen Engagements damals und heute. Neben zahlreichen Gästen beteiligten sich Prof. Dr. Winfrid Halder, Direktor der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf, Reinhard Grätz, Vorsitzender des Kuratoriums sowie Rüdiger Goldmann, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums an der Diskussion.
Generalkonsulin Kristina Larischová lobte in ihrem Grußwort die Seliger-Gemeinde als Brückenbauer: „Ich bin überzeugt, dass die Präsentation der Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokratie in der damaligen Tschechoslowakei helfen kann, manche Vorurteile in den bilateralen Beziehungen zwischen unseren Ländern zu beseitigen“.
Die Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde, Helena Päßler, bedankte sich anschließend für die Gelegenheit zur Midissage, also mittendrin zwischen Vernissage und Finissage der Ausstellung der Seliger-Gemeinde. Ebenfalls bedankte sich Päßler bei der Generalkonsulin der Tschechischen Republik, Kristina Larischová, die auch die Schirmherrschaft für unsere Ausstellung übernommen hatte für ihr Kommen.
„Mir wird – und Ihnen geht es sicherlich nicht anders - seit geraumer Zeit mehr und mehr bewusst, was die hier Vorgestellten auf sich nahmen, was sie durchlitten, welche Opfer sie brachten, und manche sogar ihr Leben ließen. Und heute -? Wir bangen zwar nicht um unser Leben, aber die Menschen in der Ukraine schon – in Europa. Müssen wir bald auch um unsere Demokratie bangen – und damit um all das, was zur Demokratie gehört, was sie ausmacht und prägt? Beinahe täglich Unfassbares aus der Neuen Welt ist zu hören, und auf der anderen Hälfte der Weltkugel? Als ob sich die zwei Despoten die Welt untereinander aufgeteilt hätten. Trauen kann man beiden nicht. Deshalb müssen wir in Europa umso mehr gemeinsam, unerschrocken und solidarisch dagegen- und zusammenhalten“, so Päßler in ihrem Beitrag.
Es mache sie stolz, so Päßler weiter, die als Sudetendeutsche, in Teplitz hineingeboren in eine sozialdemokratische Familie, nunmehr selbst mehr als 50 Jahre Mitglied der SPD – dass es in den dunkelsten Zeiten Deutschlands solche Menschen gegeben habe, deren Lebensläufe hier präsentiert würden.
„Demokratie braucht Demokraten“ zitierte Päßler dann Friedrich Ebert vor mehr als 100 Jahren. „Das mag zwar ein plakativer Satz sein, aber er hat gerade heute nicht an Aktualität und Brisanz verloren. Unsere Demokratie braucht engagierte Menschen, die für die Demokratie mit allen demokratischen Mitteln kämpfen. Solche, die Demokratie verteidigen und nicht verhöhnen, verspotten oder gar in Frage stellen“, so die Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde.
Der aus Oberbayern stammende Winfrid Halder ist als studierter Historiker prädestiniert dafür, die Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokratie zu würdigen. Von 1984 bis 1992 studierte er Geschichte und Politikwissenschaften u.a. an der LMU München. Von 1993 bis 2003 war Halder wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der TU Dresden, wo er sich auch habilitierte. Seit 2006 ist er Direktor der Stiftung Gerhard-Hauptmann-Haus in Düsseldorf und Lehrbeauftragter am Historischen Seminar der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Halder ist u. a. Mitglied des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands.
Reinhard Grätz ist Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Gerhard-Hauptmann-Haus und Mitglied der SPD. Er war von 1975 bis 1994 Mitglied im SPD-Landesvorstand Nordrhein-Westfalen, wo er als bildungs- und medienpolitischer Sprecher fungierte. Daneben gehörte er in den Jahren 1976 bis 1984 der Kommission Politische Bildung beim SPD-Bundesvorstand und 1984 bis 1988 der Kommission für Medienpolitik beim SPD-Parteivorstand an. Weiter war er von 1980 bis 1985 stellv. Vorsitzender, von 1985 bis 1990 Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion und von 1990 bis 1995 Vorsitzender des Hauptausschusses des Landtags.
Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem um den Titel der Ausstellung, der ja spannend ist, der neugierig macht, aber immer wieder auch zu Fragen und Spekulationen anregt.
Die Ausstellung »Böhmen liegt nicht am Meer – Lebenswege sudetendeutscher Sozialdemokraten«, eine gemeinsame Veranstaltung von Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, der Seliger-Gemeinde, dem Generalkonsulat der Tschechischen Republik in Düsseldorf, und dem Bund der Vertriebenen/Landesverband NRW, ist noch bis zum 22. April 2025 bei uns im Gerhart-Hauptmann-Haus zu sehen.