
Im Rahmen des Projektes WI(E)DER DAS VERGESSEN zeigt das KulturEck im alten Rathaus in Kallmünz vom 5. zum 21. April 2025 samtags, sonntags und feiertags die Ausstellung „Das Antlitz der Opfer.“

Im Rahmen des Projektes WI(E)DER DAS VERGESSEN zeigt das KulturEck im alten Rathaus in Kallmünz vom 5. zum 21. April 2025 samtags, sonntags und feiertags die Ausstellung „Das Antlitz der Opfer.“
Georg Hans Trapp wurde am 1. Dezember 1900 in Aichwald bei Teplitz-Schönau in einfachen Verhältnissen geboren. Einer Lehre als Glasgraveur folgten ein Studium an der Kunstgewerbeschule in Teplitz-Schönau. Eine Reise nach Rom sowie der Besuch einer italienischen Kunstakademie folgten. Nach dem Umzug nach Wien studierte er bei Professor Slama.
In den 30er Jahren vorigen Jahrhunderts, nachdem er das Studium kurz vor dem Abschluss abbrechen musste, weil sein Vater gestorben ist, folgte eine Arbeit als Grafiker für die Arbeiterbewegung im Sudetenland. Er arbeitete als Zeichner der Deutschen Sozialdemokratischen Freiheit und anderer deutscher sozialdemokratischer Zeitschriften und Publikationen in der Tschechoslowakei.
1938 floh der Künstler vor der deutschen Besetzung des Sudetenlandes nach Norwegen. Dort gründete Trapp mit einigen anderen ein Kollektiv zur Herstellung von Holzspielzeug. 1942, zwei Jahre nach der deutschen Besetzung Norwegens, wurde er von der Gestapo gefasst und mit Frau Hanne ins Gestapo-Gefängnis Grini gebracht. 1944/45 war er im Konzentrationslager Flossenbürg und ab August 1944 im Außenlager Hersbruck. Den Todesmarsch nach Dachau überlebte er als einer von nur zwei Überlebenden. Dort traf er Kurt Schuhmacher, Alois Ullmann und Roman Winkler. Seine Frau Hanne musste verschiedene Frauenlager durchleiden.
1945 kehrte er kurz darauf in die Tschechoslowakei zurück und musste die Tragödie der Vertreibung der Sudetendeutschen erleben. So zog er bald nach Schweden, wo er seine Arbeit fortsetzte. Er übersiedelte mit seiner Frau in die Stadt Gränna und fertigte dort Kreide- und Rötelzeichnungen an, die sich mit dem Leid der Häftlinge auseinandersetzen. Er sammelte im KZ kleine Stückchen Packpapier und Bleistiftstummel, um sich die erlebten Schreckensbilder von der Seele zu zeichnen. Viele davon gingen nach der Befreiung und nach der Heimkehr verloren. Für den Künstler stellte diese Auseinandersetzung mit den grauenhaften Erlebnissen eine Form der Aufarbeitung dar. Die Grafiken geben ein sehr persönliches und einzigartiges Bild dieser Zeit. Am 11. Mai 1991 wurde in Karlsbad die Ausstellung er Zeichnungen „Antlitz der Opfer“ erstmals in Tschechien eröffnet.
Die Bilder des KZ-Überlebenden G. H. Trapp werden vervollständigt durch zeitgenössische Skulpturen von Schore Bayerl, Manuela Görgen sowie Siegfried und Stefan Link. Für die historische Einordnung sorgen Tafeln mit der Beschreibung der Situation der KZ-Häftlinge und des unseligen Todesmarsches auch durch das idyllische Kallmünz. Das Motiv von Anke Romanow greift dies auf. Die Künstlerin sagt: "Im April 1945 sind auf den Elendsmärschen mehrere Hundert Gefangene durch Kallmünz gekommen. "Sie hinterließen keine Spuren - genau so, wie die Menschen bis heute vergessen sind. Die Felsen des Schlossbergs sind stille Zeugen von damals und die Mahnenden von heute."
Homepage Seliger Gemeinde Bayern