Bedeutende Persönlichkeiten

Veröffentlicht am 18.01.2026 in Allgemein

Franz Josef Fellinghauer (1869-1955)

Franz Josef Fellinghauer wurde am 24. Oktober 1869 in Klein-Ellguth in Oberschlesien geboren. Er gehörte zu den Pionieren der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung im sächsisch-böhmischen Erzgebirge. Als „alter Fellinghauer“ war er über Generationen hinweg bekannt. Sein politisches Wirken erstreckte sich auf beide Seiten der Grenze, zwischen denen er auch wegen behördlicher Verfolgung wiederholt wechseln musste.

Am 2. Oktober 1889 trat Fellinghauer der Sozialdemokratischen Partei bei. Im selben Jahr kam er nach Buchholz, wo ihn ein älterer Posamentiermeister mit sozialistischen Ideen vertraut machte. Zwei Jahre später kehrte er nach Weipert zurück. Von 1892 bis 1898 lebte er in Bärenstein.

1895 gründete er gemeinsam mit seinem Bruder Karl den Arbeiterbildungsverein „Lichtstrahl“, aus dem später die sozialdemokratischen Ortsgruppen von Bärenstein und Weipert hervorgingen. Fellinghauer beteiligte sich außerdem am Aufbau des politischen Vereins „Freiheit“, des Arbeiterturnvereins „Vorwärts“ und der gewerkschaftlichen Organisation in Weipert. Auch die Genossenschaftsbewegung unterstützte er als Mitglied des Annaberger Konsumvereins.

Im Jahr 1900 verlor Fellinghauer aus politischen Gründen seine Beschäftigung und geriet mit seiner Frau und sieben Kindern in eine wirtschaftlich schwierige Lage. Er fand eine neue Anstellung in Annaberg, hielt aber weiterhin engen Kontakt zur Arbeiterbewegung in Weipert und Bärenstein.

1906 gehörte er dem Freidenkerverein „Globus“ in Annaberg an. Von 1910 bis 1912 war er Kassierer des Annaberger Konsumvereins. Anschließend kehrte er nach Weipert zurück, um dort den Aufbau der Konsumgenossenschaft zu organisieren.

Während des Ersten Weltkriegs engagierte sich Fellinghauer besonders für die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung. Die Hungerkrise im Erzgebirge forderte zahlreiche Opfer. Als Kaiser Karl I. am 1. April 1918 Karlsbad besuchte, trat Fellinghauer ihm mit einer eindringlichen Schilderung der Notlage entgegen. Die überlieferte Begegnung verdeutlicht seine Haltung, die Versorgung der Bevölkerung gegenüber militärischen Erfolgen in den Vordergrund zu stellen.

Nach dem Ende der Habsburgermonarchie wurde Fellinghauer bei einer sozialistischen Mehrheit zum Bürgermeister von Weipert gewählt. Nachdem die Sozialdemokraten ihre Mehrheit verloren hatten, blieb er noch viele Jahre als erster oder zweiter Bürgermeisterstellvertreter kommunalpolitisch tätig. Insgesamt übte er diese ehrenamtlichen Funktionen 17 Jahre lang aus.

Darüber hinaus gehörte er der kurzlebigen deutschböhmischen Landesversammlung an. Später wurde er Kassierer und stellvertretender Direktor der Weiperter Krankenkasse.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung aus der Tschechoslowakei fand Fellinghauer in Treuchtlingen eine neue Heimat.

Er starb am 22. Juni 1955 im Alter von 85 Jahren.

 

Karl FELLINGHAUER, geboren am 26. März 1908 in Weipert, Spintelhof 1081, wurde am 15.11.1938 ins KZ Dachau als Schutzhalft-Häftling mit der Nummer 28551 eingeliefert. Karl Fellinghauer wurde am 03. April 1939 wieder freigelassen. (Arolsen Archives)

 
 

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