Wenzel Horn (1884-1955)
Eine der markantesten Gestalten der westböhmischen Sozialdemokratie
Wenzel Horn, geboren am 17. September 1884 in Simmern bei Auschau. Er fand schon in jungsten Jahren den Weg zur sozialdemokratischen Partei und baute noch im Jugendalter die Joachimsthaler Organisation zu einem Bollwerk der Partei aus. Horn kam nach Karlsbad und gehörte dort viele Jahre in verantwortlicher Stellung der Redaktion des „Volkswille“, einer bedeutenden sozialistischen Tageszeitung, an. Wenzel Horn war einer der letzten Kronzeugen jener großen Zeit, in der die Arbeiterbewegung des roten Egerlands ein Vorbild des damals noch „schwarzen“ Wien war. In Karlsbad wirkten Oswald Hillebrand und Eugen de Witte, zwei der besten Mitstreiter Josef Seligers. Beide Namen waren mit dem „Volkswillen“ verbunden, der den Ideen des Sozialismus im Egertal und im Erzgebirge den Weg bereitet hatten. Neben Hillebrand und de Witte wirkte Wenzel Horn im Redaktionsstab des Blattes, welches nach 1918 täglich mit einer Auflage von 25.000 Exemplaren erschien.
Das Karlsbader „Graphia-Haus“, die tägliche Wirkungsstätte von Wenzel Horn, verwandelte sich nach 1933 in einen Stützpunkt der illegalen sozialistischen Arbeit in Deutschland, denn nicht nur führenden Wiener Sozialdemokraten galt seine zuverlässige Solidarität. In der Druckerei des „Volkswille“ wurde auch der illegale „Neue Vorwärts“ gedruckt. Das Leben aller beteiligten wäre verwirkt gewesen, wenn sie der Gestapo in die Hände gefallen wären.
Horn ging 1938 mit Frau und Tochter zusammen Heinrich Wundrak nach England ins Exil, wo er bis 1941 im Journalistenhotel des „Manchester Guardian“in Manchester eine Bleibe fand. In seinen vorgerückten Jahren lernte er noch die englische Sprache, und jedes Mal, wenn im einflussreichen „Manchester Guardian“ ausnahmsweise einige freundliche Worte für die Sudetendeutschen erschienen, konnte man sicher sein, dass Wenzel Horn sie geschrieben hatte.
Nach dem Krieg übersiedelte Wenzel Horn nach Frankfurt, um sich der Vertriebenenpresse, u.a. die Redaktion des „Neuen Wegs“. Als die Zeitung mit der „Brücke“ zusammengelegt wurde, trat er in deren Redaktionsstab ein und zeichnete als verantwortlicher Redakteur für das Land Hessen. Seit der Gründung der Seliger-Gemeinde widmete er sich dem Aufbau dieser Organisation. Die Schaffenskraft hielt bis zum Ende seines Lebens an, seine letzten Arbeiten trafen in der Redaktion zugleich mit der Todesnachricht ein.
Am 19. September 1955 erlag Wenzel Horn im Alter von 71 Jahren in Frankfurt a.M. einem Gehirnschlag.
Seine Schaffenskraft hielt bis zum Ende seines Lebens an, seine letzten Arbeiten trafen in der Redaktion zugleich mit der Todesnachricht ein. „Die Redaktion der „Brücke“ verliert mit Wenzel Horn einen routinierten und bewährten Mitarbeiter, die sudetendeutsche Arbeiterbewegung und mit ihr die ganze sudetendeutsche Volksgruppe einen ihrer treuesten Söhne“, hieß es im Nachruf der Redaktion.