
Helena Päßler (re.) bei ihrem Treffen mit Kateřina Tučková (Mitte) und Dr. Jiří Vidím (li.) im Mendel-Garten
Begegnungen am Rande des Sudetendeutschen Tages: Kateřina Tučková und Dr. Jiří Vidím
Der Sudetendeutsche Tag bietet nicht nur Raum für Begegnungen im Rahmen des offiziellen Programms, sondern schafft auch Gelegenheiten für persönliche Gespräche und unerwartete Wiedersehen. So traf unsere Bundesvorsitzende Helena Päßler nach dem Versöhnungsmarsch am Mendelplatz in Brünn auf zwei Persönlichkeiten, die auf unterschiedliche Weise zur deutsch-tschechischen Verständigung und zur Auseinandersetzung mit der gemeinsamen Geschichte beigetragen haben.
Zu den Begegnungen gehörte die renommierte tschechische Schriftstellerin Kateřina Tučková. Die vielfach ausgezeichnete Autorin zählt zu den bekanntesten zeitgenössischen Stimmen der tschechischen Literatur. Internationale Bekanntheit erlangte sie unter anderem mit ihrem Roman „Gerta, das deutsche Mädchen“ (tschechischer Originaltitel: Vyhnání Gerty Schnirch), der sich mit dem Schicksal der Brünner Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzt. Im Mittelpunkt steht dabei der sogenannte Brünner Todesmarsch, eines der schmerzhaftesten Kapitel der deutsch-tschechischen Nachkriegsgeschichte.
Helena Päßler verbindet mit dem Buch eine persönliche Erinnerung. Bereits 2015, als in Brünn der erste Versöhnungsmarsch stattfand, nahm sie an der Veranstaltung teil und besuchte eine Lesung mit Buchvorstellung von Kateřina Tučková. Dort erwarb sie ein Exemplar des Romans in tschechischer Sprache, das die Autorin persönlich signierte und mit einer Widmung versah. Die erneute Begegnung am Mendelplatz knüpfte an diese Erinnerung an und unterstrich die Bedeutung von Literatur als Brücke zwischen Geschichte, Erinnerung und Versöhnung.
Ebenso erfreulich war das Wiedersehen mit Dr. Jiří Vidím. Der langjährige Vorsitzende des Kulturverbandes der deutschen Minderheit in Tschechien hat sich über viele Jahre hinweg für die Belange der deutschen Volksgruppe und für die Pflege des kulturellen Erbes der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien engagiert. Während seiner Amtszeit setzte er sich für den Austausch zwischen Deutschen und Tschechen sowie für eine lebendige Erinnerungskultur ein.
Helena Päßler kennt Dr. Vidím noch aus der Zeit seiner aktiven Verbandsarbeit. Das zufällige Treffen bot Gelegenheit für einen kurzen Austausch und erinnerte an viele Jahre gemeinsamer Bemühungen um Verständigung, kulturelle Zusammenarbeit und die Pflege historischer Verantwortung.
Solche Begegnungen verleihen Veranstaltungen wie dem Versöhnungsmarsch eine besondere Dimension. Sie machen deutlich, wie eng persönliche Erinnerungen, kulturelles Engagement und die gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte miteinander verbunden sind. Gerade die Gespräche mit Menschen, die sich seit vielen Jahren für Verständigung und Versöhnung einsetzen, zeigen, dass dieser Weg auch künftig von Bedeutung bleibt.