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Elisabeth Czech ( 1886–1973)
Elisabeth Czech (geb. Kafka) wurde 1886 in Brünn geboren. Nach ihrer Heirat mit dem Rechtsanwalt und späteren Vorsitzenden der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP), Ludwig Czech, im Jahr 1906 engagierte sie sich intensiv in der sozialdemokratischen Frauen- und Wohlfahrtsbewegung.
Bereits vor dem Ersten Weltkrieg gehörte sie von 1909 bis 1914 dem sozialdemokratischen Landesfrauenkomitee Mähren an. Als Brünner Delegierte nahm sie 1907 an der Ersten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Stuttgart teil. Parallel dazu widmete sie sich der Kinder- und Jugendfürsorge und übernahm den Vorsitz der Brünner Kinderfreunde.
Während des Ersten Weltkriegs baute Elisabeth Czech in Brünn ein großes Kinderheim für kriegsbetroffene und unterernährte Kinder auf, in dem zeitweise nahezu 1.000 Kinder versorgt wurden. Mit ihrem jahrzehntelangen Einsatz für Kinder und Familien gehörte sie zu den prägenden Persönlichkeiten der sozialdemokratischen Wohlfahrtspflege in Mähren. Nach der nationalsozialistischen Besetzung der Tschechoslowakei wurde das von ihr aufgebaute Kinderheim beschlagnahmt und unter dem Namen „Horst-Wessel-Heim“ weitergeführt. Auch die umfangreiche Privatbibliothek ihres Mannes mit rund 10.000 Bänden wurde enteignet.
Im April 1942 wurden Elisabeth und Ludwig Czech in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Ludwig Czech starb dort am 20. August 1942. Elisabeth überlebte die Haft und den Holocaust. Ihrem Anfang der 1960er Jahre verfassten Erinnerungsbericht zufolge war sie in Theresienstadt zeitweise im sogenannten „Prominentenhaus“ untergebracht und wurde – wie zahlreiche andere Häftlinge – für Aufnahmen des nationalsozialistischen Propagandafilmes „Hitler schenkt den Juden eine Stadt“ herangezogen.
Nach ihrer Befreiung verließ sie Theresienstadt im Juni 1945 und emigrierte nach London. Dort verfasste sie für die Wiener Holocaust Library einen ausführlichen Erinnerungsbericht*, in dem sie die Entrechtung ihrer Familie, die Enteignung ihres Lebenswerks, die Deportation und den Tod ihres Mannes sowie ihre eigenen Erfahrungen in Theresienstadt schilderte. Der Bericht gilt heute als eine zentrale autobiographische Quelle zur Verfolgung der sudetendeutschen Sozialdemokratie und dokumentiert zugleich die Zerschlagung der sozialdemokratischen Wohlfahrtseinrichtungen in Brünn durch das NS-Regime.
1972 kehrte Elisabeth Czech nach Wien zurück und verbrachte ihr letztes Lebensjahr in einem Seniorenheim. Dort starb sie 1973.
Elisabeth Czech zählt zu den bedeutenden sozialdemokratischen Sozialreformerinnen Mährens. Ihr Engagement für Frauen sowie insbesondere für benachteiligte Kinder, ihr Aufbau einer umfassenden Kinderfürsorge in Brünn und ihr Erinnerungsbericht machen sie zu einer wichtigen Zeugin der Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokratie und der nationalsozialistischen Verfolgung.
*Elisabeth Czech, Eyewitness account by Elisabeth Czech, Brno, of Minsk Ghetto and Theresienstadt, Wiener Holocaust Library, Eyewitness Testimony Collection, Sign. 1656/3/8/1169 (Digitalisat, entstanden ca. 1960–1963).