Sommerreise 2026 - Vor 90 Jahren: Spanischer Bürgerkrieg

Veröffentlicht am 04.09.2026 in Allgemein

Mit eigenen Augen – sozialistische Reisen ins republikanische Spanien

Der Spanische Bürgerkrieg wurde in der europäischen Arbeiterbewegung nicht allein aus Zeitungsmeldungen verfolgt. Sozialistische Politiker, Journalisten und Jugendfunktionäre reisten selbst in das republikanische Spanien. Sie wollten sich ein eigenes Bild machen, internationale Kontakte knüpfen und der Propaganda Francos sowie seiner deutschen und italienischen Unterstützer unmittelbare Beobachtungen entgegensetzen.

Zu den bekanntesten sozialistischen Spanienreisenden gehörte der damals 23-jährige Willy Brandt. Im Frühjahr 1937 hielt er sich mehrere Monate in Barcelona auf. Im Auftrag der linkssozialistischen SAPD bereitete er eine internationale Jugendkonferenz vor, berichtete für die norwegische Arbeiterpresse und besuchte die Front bei Huesca. Nach seiner Rückkehr legte er der erweiterten Parteileitung einen ausführlichen Bericht vor, der anschließend als Broschüre veröffentlicht wurde. Seine Reiseerfahrungen wurden so Teil der politischen Diskussion innerhalb der sozialistischen Bewegung.

Auch die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik entsandte eigene Vertreter nach Spanien. Besonders gut dokumentiert sind die Reisen von Ernst Paul und Karl Kern. Paul besuchte das Land als Angehöriger einer tschechoslowakischen Journalistendelegation. Kern reiste mit einer Delegation der Sozialistischen Jugendinternationale, deren Sitz sich damals in Prag befand. Die Jugendinternationale wurde von Erich Ollenhauer geleitet und suchte in Spanien auch das Gespräch mit anderen sozialistischen und kommunistischen Jugendorganisationen.

Entscheidend war, was nach der Rückkehr geschah. Die Reisenden hielten ihre Erfahrungen nicht für sich. Sie veröffentlichten Berichte und sprachen auf Parteiversammlungen, Spanienabenden und Veranstaltungen der Sozialistischen Jugend. Dadurch erhielten die Nachrichten aus dem Bürgerkrieg ein persönliches Gesicht.

Die Augenzeugenberichte erfüllten mehrere Aufgaben zugleich. Sie informierten über den Kriegsalltag, die Lage der Zivilbevölkerung und den Widerstandswillen der Republik. Sie warben für Spenden und Hilfsaktionen und ordneten den Krieg politisch als Teil der europäischen Auseinandersetzung zwischen Demokratie und Faschismus ein.

Der persönliche Bericht war dabei besonders wirkungsvoll. Wer aus Spanien zurückkehrte, konnte Fragen beantworten, Gerüchten widersprechen und schildern, was er selbst gesehen und erlebt hatte. Die Reise wurde so zum Ausgangspunkt weiterer politischer, publizistischer und humanitärer Arbeit.

Die folgenden Beiträge stellen die Reisen von Ernst Paul und Karl Kern näher vor. Beide besuchten 1937 das republikanische Spanien, doch mit unterschiedlichen Aufträgen und Blickwinkeln. Ihre Berichte zeigen, wie die DSAP aus unmittelbaren Reiseerfahrungen politische Aufklärung und konkrete Solidarität entwickelte.

 
 

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