
Dunkle Seiten der Spanien-Berichterstattung
Ein kritischer Blick auf die Presse der sudetendeutschen Sozialdemokratie
Der Spanische Bürgerkrieg wurde von der Presse der sudetendeutschen Sozialdemokratie von Beginn an intensiv begleitet. Der Sozialdemokrat berichtete nahezu täglich über politische Entwicklungen, Frontverläufe, internationale Reaktionen und die Lage der Bevölkerung. Die Zeitung verstand sich dabei nicht als neutraler Beobachter. Sie stand eindeutig auf Seiten der Spanischen Republik und wollte zugleich Solidarität mobilisieren – durch politische Unterstützung, Spenden und Hilfsaktionen.
Gerade deshalb warf Thomas Oellermann einen kritischen Blick auf die Sprache, mit der über Francos Gegner und Unterstützer berichtet wurde. Besonders problematisch ist für ihn die Darstellung der marokkanischen Soldaten der spanischen Afrikaarmee:
Bereits in der Ausgabe vom 23. Juli 1936 erschien unter der Überschrift „Die Schreckensnächte von Gibraltar“ ein Flüchtlingsbericht aus Südspanien. Dort ist vom „Wüten der marokkanischen farbigen Truppen“ die Rede. Eine geflüchtete Frau wird mit der Formulierung „Schwarze Kerle“ zitiert. Im selben Bericht heißt es weiter, Franco habe das Land mit „schwarzen Truppen“ überfallen.
Damit ging die Berichterstattung über eine sachliche Beschreibung der militärischen Rolle der marokkanischen Einheiten hinaus. Hautfarbe und Herkunft wurden unmittelbar mit Gewalt, Bedrohung und Fremdheit verbunden. Die Soldaten erschienen nicht nur als Angehörige von Francos Armee, sondern wurden über rassistisch geprägte Bilder charakterisiert.
Auch in späteren Berichten über den Terror der Aufständischen taucht die Verbindung zwischen marokkanischen beziehungsweise kolonialen Truppen und besonders brutaler Gewalt immer wieder auf. Der Sozialdemokrat übernahm damit Sprach- und Bildmuster, die in der europäischen Propaganda jener Zeit weit verbreitet waren.
Der politische Hintergrund dieser Darstellung ist verständlich. Franco präsentierte seinen Aufstand als Verteidigung des christlichen Abendlandes gegen Sozialismus und Kommunismus. Die republikanische und sozialistische Presse hielt ihm entgegen, dass ausgerechnet muslimische Kolonialtruppen aus Spanisch-Marokko eine wichtige Rolle in seiner Armee spielten. Dieser Widerspruch war politisch relevant. Problematisch war jedoch die Art, in der er zugespitzt wurde.
Dabei kann man die rassistische Sprache nicht einfach damit erklären, dass solche Vorstellungen damals allgemein verbreitet gewesen seien. Gerade die sozialdemokratische Presse wusste sehr genau, welche Wirkung diskriminierende Darstellung entfalten konnte. Sie kritisierte antisemitische Karikaturen und die rassistische Propaganda des Nationalsozialismus regelmäßig und scharf.
Der Widerspruch wird noch deutlicher, wenn man die Berichterstattung über Afrika wenige Monate zuvor betrachtet. Während des italienischen Angriffs auf Abessinien/Äthiopien verurteilte der Sozialdemokrat Mussolinis Politik ausdrücklich als imperialistisch und warnte vor einem „opferreichen Kolonialkrieg“. Das Blatt stellte sich gegen den faschistischen Angriff auf den letzten weitgehend unabhängigen afrikanischen Staat.
Gerade darin liegt die historische Spannung: Eine Zeitung konnte den europäischen Kolonialismus kritisieren und sich mit einem afrikanischen Staat solidarisieren – und nur wenig später selbst auf rassistische Stereotype zurückgreifen, wenn sie sich propagandistisch gegen Franco verwenden ließen.
Die DSAP-Presse stand damit keineswegs allein. Auch andere sozialistische, kommunistische und republikanische Publikationen Europas bedienten sich solcher Bilder. Das erklärt den zeitgenössischen Kontext, entschuldigt ihn aber nicht.
Eine glaubwürdige Beschäftigung mit der Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokratie sollte solche Widersprüche nicht ausblenden. Ihr Engagement für Demokratie, gegen Faschismus und gegen Antisemitismus bleibt ein wesentlicher Bestandteil ihrer Geschichte. Gleichzeitig gehört dazu die Erkenntnis, dass auch eine antifaschistische Bewegung nicht frei von den Vorurteilen und Denkmustern ihrer Zeit war.