Abendschule 22.09.2026

Veröffentlicht am 30.09.2026 in Allgemein

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Als Wenzel Jaksch zum Fußballreporter wurde

Wenzel Jaksch als Parteivorsitzender, Bundestagsabgeordneter oder Vertriebenenpolitiker ist vielen bekannt. Wenzel Jaksch als Fußballreporter dagegen wohl kaum. Genau diese ungewöhnliche Seite des späteren DSAP-Vorsitzenden stellte Thomas Oellermann bei der aktuellen „Abendschule“ vor.

Oellermann hatte einen bemerkenswerten Text Jakschs aus dem Jahr 1927 ausgewählt. Unter der Überschrift „Mit unseren Fußballern in München“ berichtete Jaksch für die sozialdemokratische Zeitung Freiheit über die Reise einer sudetendeutschen Arbeitersport-Auswahl nach München. Der Beitrag erschien am 10. und 11. September 1927.

Fußball gab es damals auch in der sozialdemokratisch geprägten Arbeitersportbewegung mit eigenen Vereinen und internationalen Begegnungen. Da der tschechische Arbeitersport dem Fußball weitgehend ablehnend gegenüberstand, wurde die Tschechoslowakei bei solchen Spielen vor allem von sudetendeutschen Fußballern des ATUS vertreten.

1927 führte eine solche Begegnung nach München. Dort traf die Auswahl auf die Mannschaft des reichsdeutschen Arbeiter-Turn- und Sportbundes. Jaksch begleitete die Reise als Journalist – doch wer eine klassische Sportreportage erwartet, wird überrascht.

Mindestens ebenso sehr wie für das Spiel interessiert sich Jaksch für München und seine politische Atmosphäre. Schon zu Beginn bezeichnet er die Stadt als Schauplatz der gescheiterten Räterepublik und der „lächerlichen Putschkomödie“ von 1923 – eine deutliche Anspielung auf Hitlers gescheiterten Putschversuch.

Thomas Oellermann machte darauf aufmerksam, wie früh damit Jakschs entschiedene Gegnerschaft zum Nationalsozialismus auch in seinen journalistischen Arbeiten sichtbar wird. Gleichzeitig schildert Jaksch mit Ironie, dass die sudetendeutschen Fußballer aus Weißkirchlitz, Bodenbach oder dem Egerland in München als „tschechoslowakische Ländermannschaft“ angekündigt und vom Publikum kurzerhand als „Tschechen“ wahrgenommen wurden. Für Jaksch stand bei solchen Begegnungen allerdings weniger nationales Prestige als die internationale Verbundenheit der Arbeiterbewegung im Vordergrund.

Oellermanns Fund zeigt damit einen ungewöhnlichen Wenzel Jaksch: den neugierigen, politisch wachen und durchaus ironischen Journalisten, der selbst eine Fußballreise zum Anlass nahm, über Gesellschaft, Politik und internationale Solidarität zu schreiben.

Eine Kleinigkeit allerdings unterschlägt Jaksch seinen Leserinnen und Lesern fast vollständig: das Ergebnis des Spiels. Deshalb holen wir es hier nach. Die tschechoslowakische Arbeitersport-Auswahl gewann das Länderspiel in München überraschend mit 3:2 gegen Deutschland. Eine zeitgenössische Statistik der Arbeitersport-Länderspiele bestätigt das Ergebnis.

Den Originaltext „Mit unseren Fußballern in München“ kann man in unserer Schriftenreihe Nr. 15 ab Seite 40 nachlesen.

 

Die Abendschule mit Thomas Oellermann zum Thema „Führende deutsche Sozialdemokraten aus Brünn“ kann jederzeit als Podcast nachgehört werden.

Die seliger-online-Veranstaltungen finden mit großzügiger Unterstützung des Bundesministeriums des Innern und für Heimat aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages statt.

 
 

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