Trauer um Wenzel-Jaksch-Preisträger 2000 Klaus Hänsch – 1938 bis 2026
Die Seliger-Gemeinde trauert um ihren Wenzel-Jaksch-Preisträger Prof. Dr. Klaus Hänsch. Der frühere Präsident des Europäischen Parlaments ist am 4. August 2026 im Alter von 87 Jahren gestorben.
„Klaus Hänsch war ein großer Europäer und Sozialdemokrat, der aus eigener Lebenserfahrung wusste, welchen Wert Frieden, Verständigung und die Überwindung nationaler Gegensätze besitzen“, würdigt Bundesvorsitzende Christa Naaß den Verstorbenen.
Hänsch wurde 1938 im schlesischen Sprottau geboren. Das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Flucht seiner Familie nach Schleswig-Holstein prägten seine Kindheit. Aus diesen Erfahrungen erwuchs eine politische Haltung, die sein späteres Wirken bestimmte: Krieg, Vertreibung und nationale Feindschaft durften sich in Europa nicht wiederholen.
1964 trat Hänsch in die SPD ein. 1979 wurde er in das erste direkt gewählte Europäische Parlament gewählt. Drei Jahrzehnte lang, bis 2009, gehörte er ihm an und setzte sich mit großer Beharrlichkeit für die europäische Einigung ein.
Von 1994 bis 1997 stand Klaus Hänsch als Präsident an der Spitze des Europäischen Parlaments. Seine Amtszeit fiel in eine entscheidende Phase: Die deutsche und europäische Teilung war überwunden, und die Staaten Mittel- und Osteuropas bereiteten ihren Weg in die Europäische Union vor. Hänsch gehörte zu jenen Politikern, die diese historische Chance nicht allein als Erweiterung der Europäischen Union verstanden, sondern als Zusammenführung eines über Jahrzehnte geteilten Kontinents.
Dabei galt sein besonderes Interesse auch den Beziehungen zu den östlichen Nachbarn Deutschlands. Von 1999 bis 2002 gehörte er dem Gemischten Parlamentarischen Ausschuss zwischen der Europäischen Union und der Tschechischen Republik an und begleitete damit unmittelbar die Vorbereitung des tschechischen EU-Beitritts.
Auch an der Weiterentwicklung der Europäischen Union selbst wirkte Hänsch maßgeblich mit. 2002 und 2003 gehörte er dem Präsidium des Europäischen Konvents an, der den Entwurf für eine europäische Verfassung erarbeitete.
Für sein Lebenswerk und insbesondere für seinen Einsatz für Völkerverständigung und ein gemeinsames Europa verlieh ihm die Seliger-Gemeinde am 29. Oktober 2000 während ihrer Bundesversammlung in Brannenburg den Wenzel-Jaksch-Gedächtnis-Preis.
Diese Auszeichnung verband zwei politische Lebenswege, die trotz unterschiedlicher Generationen von einer ähnlichen Überzeugung getragen waren: dass nationale Gegensätze nicht durch Abgrenzung und neue Feindbilder überwunden werden können, sondern durch Demokratie, Verständigung und europäische Zusammenarbeit.
Klaus Hänsch blieb der Seliger-Gemeinde auch nach der Preisverleihung verbunden. Noch 2006 beteiligte er sich an der Wenzel-Jaksch-Gedächtnisfeier zum 110. Geburtstag und 40. Todestag des Namensgebers.
„Mit Klaus Hänsch verlieren wir einen überzeugten Sozialdemokraten, einen leidenschaftlichen Europäer und einen Freund der Verständigung zwischen den Völkern“, so Christa Naaß. „Sein Lebensweg erinnert uns daran, dass Europa keine Selbstverständlichkeit ist. Es ist ein politisches Versprechen, das jede Generation neu mit Leben erfüllen muss.“
Die Seliger-Gemeinde wird Klaus Hänsch ein ehrendes Andenken bewahren.